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Altersklassentransformation
Männliche Individuen weisen in der prozentualen Individuenzahl der beiden Altersbestimmungsmethoden pro Altersklasse eine vergleichbare Präsenz auf (Abb.31). Der geringen Präsenz von Becken der Altersklasse 35-39 wird jedoch mit dem Zahnalter nicht gefolgt. Dies ist mit altersklassenübergreifenden Zahnalterbestimmungen, die aus den benachbarten Altersklassen in die Altersklasse 35-39 Jahre hineinreichen, zu erklären. Bei spätmaturen und senilen Individuen ist erkennbar, daß das Beckenalter gegenüber dem Zahnalter leicht unterschätzt und die Beckenalter in den Altersklassen 40-44 und 45-49 gehäuft auftreten. Dies stützt die Aussagekraft der Bias-Werte, die in diesen Altersklassen eine leichte Unterschätzung des Beckenalters dokumentieren.
Bei den weiblichen Skeletten ist die Individuenverteilung bei der Altersbestimmung durch das Beckenalter in den mittleren Altersklassen höher als in den älteren und jüngeren (Abb.32). Die Tendenz zur Überschätzung der frühadulten Individuen und Unterschätzung der maturen Individuen im Beckenalter, die sich aus der Analyse der Bias-Werte ergibt, spiegelt sich in der starken Präsenz der Altersklassen 35-39, 40-44 und 45-49 wider.
In beiden Diagrammen ist sichtbar, daß die durch das Beckenalter zur Kategorie der über 60jährigen gezählt wurden, denen zahlenmäßig unterlegen sind, die durch das Zahnalter dazu gerechnet wurden. Die Ursache ist darin zu suchen, daß einige Individuen, deren Beckenalter in die Altersspanne 50-59 eingeordnet wurde, ein Zahnalter vorweisen, welches teilweise oder gänzlich über der 60-Jahre-Marke liegt. Hier wird das Resultat des erweiterten Vorzeichentests gestützt, daß die Unterschätzung des Beckenalters in den hohen Altersklassen bei weiblichen Individuen deutlicher ausgeprägt ist, als bei den männlichen.
Die Altersklasse 15-19 Jahre wird in der Sterbealterbestimmungsmethode nach LOVEJOY et al. (1985) nicht berücksichtigt. Einige Individuen, die nach der Beckenaltermethode der Altersklasse 20-24 zugeordnet worden sind, reichen mit ihrem Zahnalter in die Altersklasse 15-19 zurück. Beim männlichen Geschlecht handelt es sich dabei um 2 von 6 und beim weiblichen Geschlecht um 10 von 17 der Individuen der untersten Altersstufe.
Die Speareman-Rangkorrelation
Da die ermittelten Variablen (Beckenalter, Zahnalter) nicht normalverteilt sind, läßt sich die Abhängigkeit der beiden voneinander durch die Spearemansche Rangkorrelation beurteilen. Es wird geprüft, ob zwischen dem Beckenalter und der Differenz von Beckenalter minus Zahnalter ein systematischer Zusammenhang besteht. Die Nullhypothese lautet: Es besteht kein Zusammenhang zwischen diesen Prüfgrößen. Träfe dies zu, würden sich die Differenzen gleichförmig um die Linie der Nulldifferenz gruppieren. Die Berechnungen ergaben, daß sowohl bei den weiblichen als auch bei den männlichen Individuen ein Zusammenhang zwischen dem Beckenalter und der Differenz von Zahnalter minus Beckenalter besteht. Bei beiden Geschlechtern ist die Überschätzung des Beckenalters in den unteren Altersklassen und die Unterschätzung in den hohen Altersklassen signifikant. Die Nullhypothese wird verworfen, da sie nur mit einer Wahrscheinlichkeit von p>>0,001 zutrifft.
Auswertung der Einzelmerkmale
Die Anwendung der Sterbealterbestimmung anhand des Beckens nach der Methode von LOVEJOY et al. (1985) ist für männliche und weibliche Individuen gleich. Die im Zuge der Arbeit altersbestimmten Individuen ließen jedoch eine geschlechtsabhängige Bestimmungsungenauigkeit erkennen. Nach den hier vorliegenden Ergebnissen liefert die Methode bei männlichen Individuen die zuverlässigeren Resultate.
Die Ursache dafür wird darin vermutet, daß die Merkmale der Auricularfläche, die zur Altersbestimmung herangezogen werden, eine unterschiedliche Äusprägung bei beiden Geschlechtern besitzen. Im folgenden wird die Merkmalsausprägung in Abhängigkeit des Zahnalters geprüft.
Furchen
er generelle Trend in Abb. 33 weist eine Abnahme der Merkmalsausprägung bis zur Mitte der 3. Dekade auf. Bei weiblichen Individuen setzt diese Abnahme zu einem früheren Zeitpunkt ein als bei den männlichen. Eine solche unterschiedliche Merkmalsveränderung ist ein Indiz dafür, weshalb weibliche Individuen in den unteren Altersklassen durch die Beckenalterbestimmung überschätzt werden.
Die Methode nach LOVEJOY et al. (1985) teilt Individuen mit einem moderaten Verlust an Furchen in die Altersklasse 25-29 ein. Da der Verlust an Furchen bei weiblichen Individuen zu einem früheren Zeitpunkt der Ontogenese einsetzt, werden sie nach dem Schema der Beckenalterbestimmungsmethode überschätzt.
Im spätadulten bis senilen Altersbereich sind Furchen eher bei weiblichen Individuen zu beobachten. Da dieses Merkmal nach UBELAKER (1994) als primärer Altersindikator anzusprechen ist, kann darin eine Ursache gesehen werden, daß bei weiblichen Individuen eine Unterschätzung des Beckenalters vorliegt, da dieses Merkmal nach LOVEJOY et al. (1985) lediglich in den unteren Altersgruppen zu finden ist.
Riefen
Der generelle Trend in Abb. 34 folgt in etwa dem der Furchen. In den ersten Altersklassen ist zu beobachten, daß die Merkmalsausprägung auf etwa gleichem Niveau stagniert. Dieses Ergebnis deckt sich mit den Aussagen von LOVEJOY et al. (1985), daß die Furchen in der Altersklasse 25-29 Jahre durch Riefen ersetzt werden. Am Verlauf der beiden Kurven ist erkennbar, daß das Merkmal Riefen bei weiblichen Individuen zu einem früheren Zeitpunkt an Intensität verliert als bei den männlichen. Der nochmalige Anstieg der Merkmalsintensität bei den weiblichen Individuen in der Altersklasse 60+ ist wahrscheinlich auf altersbedingte Flächenunebenheiten zurückzuführen, die als Riefen interpretiert wurden.
Dichte
Die Dichte der Auricularfläche nimmt in den ersten Altersklassen bei den weiblichen und männlichen Individuen ab (Abb. 35). Danach steigt die Merkmalsausprägung wieder und geht über den ursprünglichen Wert hinaus. Dieses Merkmal kann allein nicht zur Sterbealterabschätzung herangezogen werden, da dichte Auricularflächen sowohl in die unteren als auch in die oberen Altersklassen eingeordnet werden können. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind im unterschiedlichen zeitlichen Auftreten der geringsten Merkmalsausprägung sichtbar. Weiterhin gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Stärke der Merkmalsausprägung in den Altersklassen 45-49 und 50-59. Diese in Abb.35 sichtbaren Differenzen haben jedoch aufgrund ihres vergleichsweise unsystematischen Auftretens keinen Einfluß auf die Geschlechtsunterschiede in der Präzision der Altersbestimmung.
Granulation
Die Granulation stellt das antagonistische Merkmal der Dichte dar. Die umgekehrte Proportionalität der Merkmalsausprägung ist im Vergleich der beiden Diagramme erkennbar. Außer in den Altersklassen 25-29 und 60+ ist dieses Merkmal bei weiblichen Individuen stets deutlicher ausgeprägt als bei den männlichen. Ein Einfluß auf die Genauigkeit der Altersbestimmung kann aus dem zeitlich versetzten Sinken der Merkmalsausprägung ab dem 40. Lebensjahr abgeleitet werden. Ältere weibliche Individuen weisen eine niedrige Intensität der Granulation zu einem späteren Zeitpunkt auf als männliche Individuen. Da weibliche Individuen mit den auf männliche Individuen kalibrierten Standards geschätzt werden, kommt es zu einer Unterschätzung des Beckenalters.
Mikroporosität
der Untersuchung von LOVEJOY et al. (1985) tritt Mikroporosität erstmals in der Altersklasse 30-34 Jahre auf. Bei den im Zuge dieser Arbeit untersuchten Individuen wurde Mikroporosität schon in jüngeren Altersklassen in geringem Umfang beobachtet. Die Kurve in Abb. 37 weist nur eine geringe Steigung auf. Daraus ist ablesbar, daß die Merkmalsintensität zwischen den Altersklassen nur in geringem Maße differiert. Diese Nuancenunterschiede lassen dieses Merkmal zur Sterbealterbestimmung weniger geeignet erscheinen als Merkmale, deren Trennschärfe zwischen den Altersklassen größer ist.
Makroporosität
Die Ausprägung der Makroporosität bleibt bis zur Altersklasse 40-45 etwa konstant. Ab diesem Lebensalter wird die Intensität dieses Merkmals sprunghaft größer. Diese deutliche Steigung der Kurve (Abb.38) macht die Makroporosität zu einem wichtigen Altersindikator jenseits der Altersklasse 40-44. Weiterhin ist hier eine deutliche Differenz in der Merkmalsausprägung zwischen beiden Geschlechtern zu beobachten. Während bei männlichen Individuen die Makroporosität zwischen den Altersklassen 40-44 und 45-49 erheblich zunimmt, ist eine derartige Zunahme bei den weiblichen Individuen erst zwischen den Altersklassen 45-49 und 50-59 ersichtlich. Diese Beobachtung liefert ein weiteres Indiz dafür, weshalb das Beckenalter bei maturen und senilen weiblichen Individuen geringere Werte liefert als das Zahnalter.
Aktivität der Retroauricularfläche
Die Kurve für die retroauricularen Aktivitäten in Abb. 39 gleicht jener in Abb.38. Hier nimmt die Kurve bei männlichen Individuen schon ab der Altersklasse 30-34 und bei den weiblichen Individuen ab der Altersklasse 35-40 an Steilheit zu. Dieses Merkmal erwies sich bei der Altersbestimmung als einer der wertvollsten Indikatoren. Die Aktivität der Retroauricularfläche beginnt an der Peripherie mit der Bildung kleiner Unebenheiten, die häufig die Form kleiner, spitzer Erhebungen aufweisen. Mit fortschreitendem Alter nehmen die Erhebungen in Anzahl und Ausmaß zu und werden auch im Zentrum der Fläche sichtbar. Wiederum ist bei der Auswertung der Kurven ein Geschlechtsunterschied sichtbar, der sich in erster Linie auf den Beginn der retroauricularen Aktivität bezieht.
Apikale Aktivität
Deutliche Unterschiede in der apikalen Aktivität sind sowohl zwischen den einzelnen Altersklassen als auch zwischen den Geschlechtern nicht zu beobachten (Abb.40). Diese geringe Trennschärfe zwischen den Altersklassen macht die apikale Aktivität an der Auricularfläche zu einem weniger geeigneten Sterbealterindikator. Schon bei der durch LOVEJOY et al. (1985) durchgeführten Altersbestimmung an 280 Skeletten konnte dieses Merkmal nur selten als Indikator des Sterbealters herangezogen werden, da keine deutlichen Unterschiede zwischen den Individuen beobachtet wurden.
Zusammenfassung der Einzelmerkmale
Während der graphischen Auswertung der Einzelmerkmale kristallisierten sich zwei Gruppen von Merkmalen heraus: Einerseits jene mit zunehmender Merkmalsausprägung und andererseits jene mit abnehmender Merkmalsausprägung während der Ontogenese. Die Merkmale Furchen und Riefen folgen einem Schema, welches eine Abnahme der Merkmalsintensität beschreibt. In jedem der zwei Fälle beginnt die Abnahme bei den weiblichen Individuen zu einem früheren Zeitpunkt als bei den männlichen. Der Unterschied beträgt nach den Diagrammen 3 und 4 etwa 5-10 Jahre. Der deutliche, fast parallele Verlauf der Kurven reicht bei den Furchen bis zur Altersklasse 30-34 und bei den Riefen bis zur Altersklasse 35-39. In diesen Altersklassen wurden auch Differenzen in den Bias-Werten der männlichen und weiblichen Individuen festgestellt (Tab. 7). Die tatsächliche Überschätzung des Alters der weiblichen Individuen in den unteren Altersklassen ist nach den Bias-Werten jedoch weniger stark, als die Auswertung der Einzelmerkmale es vermuten läßt. Andere Flächenmerkmale, die ebenfalls zur Altersbestimmung von Auricularflächen adulter Individuen herangezogen werden, weisen keinen so deutlichen Geschlechtsunterschied auf. So hat das Merkmal Granulation, das ab der Altersklasse 30-34 Jahre zum Altersindikator wird, durch seinen Kurvenverlauf einen nivellierenden Einfluß auf die Geschlechtsunterschiede bei der Altersbestimmung.
Der Umfang der Makroporosität und die Aktivität der Retroauricularfläche nehmen in den höheren Altersklassen deutlich zu. Der Zeitpunkt des Beginns des Anstieges liegt bei den männlichen Individuen um etwa fünf Jahre früher als bei den weiblichen. Im weiteren Verlauf der Kurven der beiden Merkmale (Diagr. 8 und 9) ist eine gewisse Parallelität zu beobachten, die in den beiden höchsten Altersklassen der retroauricularen Aktivität und in der höchsten Altersklasse der Makroporosität wieder aufgehoben ist. Die stattfindende Überschneidung der Kurven bei der Makroporosität ist auf das offene Intervall der über 60jährigen zurückzuführen. Der geschlechtsspezifische Kurvenverlauf dieser beiden Merkmale ist für die Unterschätzung des Alters der weiblichen Individuen ab der Altersklasse 40-44 mit verantwortlich. Auch die deutlich später einsetzende Abnahme der Granulation und die damit einhergehende Zunahme der Flächendichte stützt die negativen Bias-Werte bei den weiblichen Individuen.
Die Merkmale Granulation und Dichte haben gemeinsam mit den Merkmalen Mikroporosität und apikale Aktivität einen Qualitätsnachteil. Sie besitzen in den mittleren Altersklassen ein Minimum bzw. ein Maximum der durchschnittlichen Merkmalsausprägung. Das bedeutet, ein bestimmter Ausprägungsgrad dieses Merkmales ist in der Ontogenese zweimal zu beobachten. Ein einzelnes dieser Merkmale ist damit als Altersindikator wertlos.
Die Phasen des Überganges zwischen Auricularfläche und Retroauricularfläche
Im Zuge der Bearbeitung der Auricularflächen wurden mehrere, von LOVEJOY et al. (1985) nicht berücksichtigte Merkmale bewertet, die eine Altersabhängigkeit versprachen. Bei deren graphischer Auswertung ergab sich, daß einzig das Merkmal des Flächenüberganges als Altersindikator von Nutzen ist (Abb. 41). Das Erscheinungsbild des Flächenüberganges reicht von deutlichen regelmäßigen Übergängen in den unteren Altersklassen über unregelmäßige Ausbuchtungen der Flächengrenze bei spätadulten Individuen bis hin zur völligen Verstreichung der Flächengrenze bei maturen und senilen Individuen.
Zur Einschätzung des Flächenüberganges sollte der proximale Bereich genutzt werden, da der distale Bereich den Sulcus postauricularis einschließt. Dieser ist bei den weiblichen Individuen mehr oder weniger deutlich ausgeprägt und besteht neben der grabenartigen Vertiefung häufig aus einer dachartigen Vorwölbung der Auricularfläche über die Retroauricularfläche. Männliche Individuen weisen dieses Merkmal nicht oder nur äußerst selten auf. Dieses Merkmal kann zur Geschlechtsbestimmung an Skeletten genutzt werden.
Im folgenden werden die verschieden ausgeprägten Flächenübergänge den von LOVEJOY et al. (1985) vorgegebenen Altersklassen zugeordnet.
Altersklasse 20-24
Die Kante der Auricularfläche folgt in ihrer Rundung der Gesamtform der Fläche. Ausbuchtungen sind selten und wenn, dann nur in geringem Umfang zu beobachten. Sie folgen dann der Oberflächenstruktur der Furchen, die bis zur Flächengrenze reichen. Die in vielen Fällen nur leicht erhabene Auricularfläche unterscheidet sich durch ihre Feinkörnigkeit von der glatten Retroauricularfläche (Vergl. Abb. 13).
Altersklasse 25-29
Die Veränderungen zur vorangegangenen Altersklasse sind wenig auffällig. Obwohl die Ausprägung der Furchen nachläßt, da sie allmählich in Riefen übergehen, sind die Ausbuchtungen weiterhin vorhanden (Vergl. Abb. 14).
Altersklasse 30-34
Die Flächenkante der Auricularfläche wird spürbar unregelmäßiger. Die Ausbuchtungen nehmen sowohl in ihrem Umfang als auch in ihrer Anzahl zu. Die spürbar grobkörnigere Auricularfläche unterscheidet sich gut von der glatteren Retroauricularfläche, die nur im peripheren Bereich Aktivitäten aufweist (Vergl. Abb. 15).
Altersklasse 35-39
Die beginnende Lippenbildung der Flächenkante der Auricularfläche ist typisch für diese Altersklasse. Die Lippen ragen in geringem Maße über die Retroauricularfläche hinweg. Bevorzugt werden sie an den Seitenkanten der Auricularfläche gebildet. Die Flächen sind trotz Einbuchtungen der Kante der Auricularfläche und Lippenbildung noch klar an jeder Stelle zu unterscheiden (Vergl. Abb. 16).
Altersklasse 40-60
In der vierten Dekade setzt eine Auflösung der Grenze zwischen den beiden Flächen ein. Die Bandbreite reicht von lokalen Flächenverschmelzungen bis zur völligen Verschmelzung im gesamten Grenzbereich. Einer bestimmten Altersgruppe konnten diese Phasen der Grenzlinienauflösung jedoch nicht zugeordnet werden (Vergl. Abb. 17).
Eine geschlechtsabhängige Merkmalsveränderung ist bei der Beurteilung des Flächenüberganges nicht zutage getreten und ist in Abb. 41 nur bedingt sichtbar.
Lateralitätsunterschiede
Die aufgetretenen Lateralitätsunterschiede zwischen den beiden Auricularflächen betragen in jedem der Fälle nur eine Altersklasse.
In den unteren Altersklassen wurde bei keinem der Individuen ein Lateralitätsunterschied beobachtet, der eine Einordnung der Auricularflächen in verschiedene Altersklassen erfordert (Tab.10). Bei 34,8 % der männlichen und bei 28,0 % der weiblichen Individuen war lediglich eine unilaterale Beckenalterbestimmung aufgrund der fehlenden bzw. nicht auswertbaren zweiten Auricularfläche möglich.
Bezüglich der bilateral erhaltenen Auricularflächen ergeben sich Lateralitätsunterschiede bei 10,2 % der männlichen und bei 9,2 % der weiblichen Individuen. In 5 der 19 beobachteten Fällen ist ein Zahnalter bestimmt worden, das im Grenzbereich (+/- 2 Jahre) der beiden benachbarten Altersklassen liegt. Soweit es die Materialpräsenz zuließ, wurden alle zehn Individuen auf praemortale Schäden an den unteren Extremitäten untersucht. In keinem der Fälle konnten Veränderungen beobachtet werden, die auf Frakturen oder ähnliche Schädigungen der unteren Extremitäten hindeuten. Da derartige individuelle Gründe für die beobachteten Lateralitätsunterschiede nicht eruiert werden konnten, liegen deren Ursachen wahrscheinlich in der Streubreite der Sterbealterbestimmungsmethode. Darauf deutet auch die Tatsache hin, daß derartige Unterschiede gehäuft in den oberen Altersklassen auftreten, in denen die Ungenauigkeit der Bestimmungsmethoden erfahrungsgemäß größer ist als in den unteren Altersklassen.
Altersklassenübergreifende Sterbealterbestimmungen
Wurden auf einer Auricularfläche Merkmale beobachtet, die nach LOVEJOY et al. (1985) typisch für unterschiedlichen Altersklassen sind, wurde dem Individuum ein Sterbealterbereich zugeordnet, der mehrere Altersklassen berührt (Abb. 44).
Dies war der Fall bei 8,9 % der männlichen und bei 10,0 % der weiblichen Individuen. Die Altersbestimmung überstreicht dabei jeweils zwei benachbarte Altersklassen. Bei den männlichen Individuen ist eine deutliche Häufung der altersklassenüberschreitenden Bestimmungen in den oberen Altersklassen zu beobachten. Dies ist auf die erhöhte Bestimmungsunsicherheit in diesen Altersklassen zurückzuführen. Im Gegensatz zu den männlichen Individuen sind bei den weiblichen Individuen altersklassenüberschreitende Bestimmungen auch in den unteren Altersklassen zu beobachten. Allein auf die größere Individuenanzahl in diesen Altersklassen ist dies jedoch nicht zurückzuführen. Vielmehr fällt hier der Einfluß der Schwangerschaft ins Gewicht. Die höhere Beweglichkeit und die größere mechanische Beanspruchung des Iliosacralgelenkes während der Schwangerschaft (Kap. 5.2.) sind wahrscheinlich die Hauptursache für die erhöhte Bestimmungsunsicherheit in dieser Zeit.
Tabellarische Übersicht zur Altersbestimmung von
Auricularflächen
Für eine schnellere Handhabung der Auricularflächenmethode wird die Methode nach LOVEJOY et al. (1985) mit Ergänzungen, die aus der vorliegenden Arbeit hervorgehen, in eine Tabellenform gebracht. Zur Vergegenwärtigung der Einzelmerkmale wird auf Kap. 3.2. und die Abb. 5 bis 12 verwiesen. Ist eine eindeutige Zuordnung einer Auricularfläche zu einer Phase nach der Tabelle nicht möglich, sollte die Beschreibung der Phasen in Kap. 3.2. hinzugezogen werden. Im folgenden werden die Einzelmerkmale nochmals in Kurzform beschrieben.
Furchen
Dieses Merkmal ist bevorzugt bei jungen Individuen ausgeprägt. Furchen sind regelmäßige, stets querverlaufende, 0,5-1,5 mm tiefe Oberflächenstrukturen. Sie können von der Retroauricularfläche verschieden weit in die Auricularfläche hineinreichen (Abb.5).
Riefen
Riefen sind eine ebenfalls querverlaufende, jedoch kammartige und wesentlich feinere Oberflächenstruktur der Auricularfläche. Sie sind vorwiegend am dorsalen Rand sichtbar. Das Erscheinungsbild der Riefen ist ähnlich dem der Furchen. Der Unterschied besteht in der wesentlich feingliedrigen Struktur, die besonders gut bei seitlichem Lichteinfall zu beobachten ist (Abb.6).
Granulation
Die Granulation beschreibt die Oberflächenbeschaffenheit der Auricularfläche. Dieses Merkmal kann direkt auf Reliefmerkmalen, wie Furchen oder Riefen, aufliegen. Die Granulation bzw. Körnigkeit reicht von schwacher Ausprägung, vergleichbar mit feinstem Sandpapier (Korngröße 0,01-0,02 mm), bis zur grobkörnigen Oberfläche, die mit Sandpapier der Korngröße 0,04 mm vergleichbar ist (Abb.7).
Dichte
Eine verdichtete Oberfläche der Auricularfläche ist frei von Granulation. Verdichete Oberflächen sind typisch für Individuen der 4. Lebensdekade (Abb.8).
Mikroporosität
Im Gegensatz zur reinen Oberflächenstruktur der Granulation ist die Porosität ein Merkmal, welches in den subchondralen Knochen hineinreicht. Diese "Löcher" sind makroskopisch zu erfassen. Deren Durchmesser liegt in einer Größenordnung von < 0,5 mm (Abb.9).
Makroporosität
Die als Makroporosität beschriebenen Strukturen sind in ihrer Form vergleichbar mit der Mikroporosität, nur weisen sie mit einer Größe von 0.5-5 mm eine größere Dimension auf. In extremen Fällen können Makroporositäten beobachtet werden, die eine Größe von bis zu 9 mm aufweisen (Abb.10).
Retroauricularfläche
Die Retroauricularfläche (Abb.12) ist ebenfalls ein Teil des Iliosacralgelenkes und ist posterior der Auricularfläche positioniert. Bei Individuen der unteren Altersklassen ist die Fläche glatt und eben. Der Begriff ‘Retroauriculare Aktivität’ beinhaltet die Zunahme der Porosität der Oberfläche, osteophytische Veränderungen und generelle Flächenunebenheiten. Bei der Beurteilung der Retroauricularfläche ist die Iliacarschwellung auszuklammern. Diese Struktur befindet sich in zentraler Position dieser Fläche. Die Iliacarschwellung weist bei männlichen Individuen eine hügelförmige Struktur auf. Bei Frauen ist dieses Merkmal sehr variabel. Gewöhnlich ist die Schwellung hier spitz gestaltet oder gar nicht vorhanden. Des weiteren kann sie als kammartige Struktur ausgebildet sein, die in dorsoventraler Richtung über die gesamte Retroauricularfläche verläuft (ISÇAN & DERRICK 1984).
Übergang zwischen Auricularfläche und Retroauricularfläche
Zur Einschätzung des Flächenüberganges sollte der proximale Bereich genutzt werden, da der distale Bereich den Sulcus postauricularis einschließt. Dieser ist bei den weiblichen Individuen mehr oder weniger deutlich ausgeprägt und besteht neben der grabenartigen Vertiefung häufig aus einer dachartigen Vorwölbung der Auricularfläche über die Retroauricularfläche. Männliche Individuen weisen dieses Merkmal nicht oder nur äußerst selten auf. Dieses Merkmal kann zur Geschlechtsbestimmung an Skeletten genutzt werde
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